Tauchen - Ein Sport mit Faszination!

Später verlagerte ich mein "Revier" auf jene Insel Eriyadu, um durch die Vertrautheit der Tauchumgebung mir weitere Praxis anzusammeln und eigene Sicherheit zu bekommen. Dort entwickelten die jeweiligen Tauchlehrer mit mir zusammen phantasiereich folgende

Tauch-Methoden und -Techniken:

Neue Tauchbasis auf "Eriyadu", errichtet auf Stelzen in der Lagune 

Tauchbasis auf "Eriyadu"

Beim Nachttauchen führten sie anfänglich für mich die Beleuchtung, weil durch meine Eingangs erwähnten unkontrollierten Bewegungen der Arme und Hände die Lichtsignale bei der Kommunikation Missverständnisse aufkommen lassen bzw. es zu Blendungen durch das starke Licht von Tauchpartnern oder der Tiere kommen könnte. Inzwischen bin ich selbst in der Lage,  Unterwasserlampen zu benutzen.

Bei Tauchgängen mit sehr starken Strömungen halte ich mich einfach mit einer Hand an der 1. Stufe des Lungenautomaten an der Pressluftflasche des Tauchpartners fest. Oft muss ich dabei mit der anderen Hand Maske oder Lungenautomat festhalten oder den Kopf genau gegen die Strömung richten, damit diese nicht weggerissen werden ...

 

Aufgrund meiner behinderungsbedingten flachen und kurzen Atmung mit entsprechend geringem Atem-Minuten-Volumen werden anspruchsvolle oder schwierige Tauchgänge durch Atmung mit dem 2. Lungenautomaten des Tauchpartners überbrückt oder ermöglicht, auch mit dem Ziel, die nachfolgenden Auftauchphasen und Sicherheitsstops möglichst selbständig durchführen zu können.

Spektakuläre Tauchgänge 

am legendären "Fingerpoint" (Haibeobachtungen in 30 m Tiefe) oder Wasserwalzen im "Lucky Express", die ich mir zunächst nicht zutraute und neidvoll nur vom Hören-Sagen anderer Taucher kannte, wurden mir auf die oben beschriebene Arten "meiner" Tauchtechniken erst ermöglicht.

An dieser Stelle gilt mein ausdrücklicher Dank an die Tauchbasen-Teams um Werner Lau, die immer kreativ so für mich buchstäblich neue Dimensionen und Welten eröffneten - mit vielen von ihnen bin ich inzwischen freundschaftlich verbunden!

Fast stehende Haltung neben der Steilwand am Hausriff von Eriyadu

... an der Steilwand am Hausriff der Insel "Eriyadu" - meine Lieblingsstelle

... Korallen am Hausriff der Insel "Eriyadu"

Die einzige weitere persönliche Hilfestellung beim Tauchen ist nur an der Wasseroberfläche bzw. auf dem Tauchboot notwendig: aufgrund mangelnder Körperkraft kann ich die schwere Pressluftflasche, die unter sehr hohem Druck steht, nicht tragen und brauche Hilfe beim Anlegen des Gerätes sowie Aufsitzen auf dem Bootsrand zum schließlich Rückwärts-ins-Wasser-fallen-lassen.

Sobald ich aber die Wasseroberfläche - im wahrsten Sinne des Wortes - "durchdringe", scheinen alle "Behinderungen" buchstäblich "ausgeschaltet" zu sein!

Das bis auf 30 m Tiefe durchgehend 28 - 30 °C warme Wasser des Indischen Ozeans entspannt zudem voll meine Muskulatur - auch der grandiose Anblick majestätisch und mühelos dahin ziehender Haie oder Mantas tragen hierzu bei - auch wenn mich diese Tiere oder Barrakudas nah verfolgen oder umkreisen - nichts bringt mich aus der Ruhe ...

Nur wenige notwendige Techniken zum Druckausgleich oder Masken-Wasser-Ausblasen erinnern mich wieder an das Behindert-Sein: 

um diese "Manöver" durchführen zu können, muss die ausführende rechte Hand von der linken am Handgelenk gestützt und so zielgerecht zum Kopf geführt werden.

Wasser aus Maske ausblasen und Druckausgleich

Das 1994 geänderte Grundgesetz des Artikel 3  um das Diskrimierungsverbot von Menschen mit Behinderungen bestärkte meine Bemühungen um eine endliche Erlangung des besagten international gültigen Brevets - ich war es auch langsam leid, mich jedes mal aufs Neue rechtfertigen zu müssen. 

Anlässlich der Düsseldorfer "BOOT '96" wandte ich mich schließlich mit sämtlichen Tauchunterlagen an den Stand des VDST's und trug dort mein Anliegen vor mit dem erfreulichen Ergebnis der rückwirkenden (!) Anerkennung und letztendlichen Aushändigung des lang ersehnten Brevets ...

... und hier sie:

So positiv motiviert, nutzte ich einen weiteren Malediven-Urlaub auf "Eriyadu" im gleichen Jahr für eine Weiterbildung zum PADI-"Advanced Open Water Diver", den ich mit Erfolg abschloss - ein weiterer Meilenstein meiner "Karriere".

 

Nun bin ich in der Lage, selbständig am Hausriff "meiner" Insel Eriyadu andere Tauchtouristen zu begleiten ... 

Zwischenzeitlich habe ich eine eigene Tauchausrüstung, bestehend aus Lungenautomaten mit Octupus, Pressluftflasche, Tarier-Jacket, Tauchcomputer, Signalboje und -lämpchen, angeschafft.

Fast zahnlos - und erste Tauchgänge in Deutschen Seen ...


Mundstück-Spezialanfertigung

 vom Zahnarzt

Wegen einer Zahnbetterkrankung verlor ich nach und nach immer mehr Zähne - bis auf mittlerweile 3 Backenzähne im linken Unterkiefer. Eine Prothesen- oder Implantatversorgung stellten sich nach eingehenden Untersuchungen als undurchführbar heraus.

Zunächst konfrontierte ich meinen Zahnarzt mit der Problematik des Haltes meines Lungenautomaten und präsentierte ihm das abmontierte Mundstück. Seine Idee - einfach wie genial: er strich eine Silikonmasse auf die obere und untere Hälfte des Mundstückes und machte so einen Abdruck meines zahnlosen Oberkiefers und ließ die Abdruckmasse hart werden, die nun am Lungenautomat-Mundstück, mit Sekundenkleber verbunden, verblieb.

An einem Maiwochenende 1999 fuhr ich zur Xantener Nordsee. Ich wollte mich den Herausforderungen, fast zahnlos und erstmalig im Nass-Tauchanzug im Kaltgewässer zu tauchen, stellen.

Ich begab mich zuvor zu einer Weseler Tauchschule, um dort einen 7 mm dicken Nasstauchanzug anzuprobieren und auszuleihen. Dieser Vorgang war schon eine gehörig anstrengende Prozedur: konnte mich nur noch roboterartig bewegen ...

Mit Spannung ging ich - geführt von Helfern - in "voller Montur" ins kalte Wasser. Alles für mich völlig neu und ungewöhnt - kam mir vor wie ein Anfänger ...

Wenigstens hielt mein Lungenautomat im Mund - Erleichterung ...

Mit Erstaunen stellte ich doch fest, es klappt doch mit dem Kaltwasser-Tauchen - auch wenn ich nun mehr Hilfe beim Tarieren brauche, weil ich wegen dem eng sitzenden Anzug den Inflatorschlauch des Tarier-Jackets kaum selbst erreichen und bedienen kann.

Nach 30 Minuten Tauchzeit aber drang allmählich die Kälte durch und der Tauchgang musste leider daher beendet werden.

Fazit:

vom Grundsatz her kann ich - wenn auch mit Hilfe - auch Kaltwasser-Tauchgänge machen - wieder um eine positive Erfahrung reicher!

Unterwasservideo und "Trockentauchen" ...

So auch mit einem sogenannten "Trocken-Tauchanzug", gedacht für längeres Kaltwasser-Tauchen:

im Maledivenurlaub 1999 lernte ich ein Taucherpaar kennen, das zufällig nicht allzu weit weg von mir wohnt, und wir uns so des öfteren treffen sollten - zum einen, um das von ihm gedrehte Unterwasser-Video mit Tauchszenen von mir vorführfertig zurechtzuschneiden und weitere gemeinsame Kaltwasser-Tauchpläne zu schmieden, die zusammen mit deren befreundeten Berufstaucher umgesetzt wurden - mir wurde dazu der entsprechende Trocken-Tauchanzug ausgeliehen - inzwischen besitze ich einen eigenen ... 

Erster Tauchgang im Trockenanzug, befinde mich mit Tauchmaske über der Wasseroberfläche, während Mund mit Lungenautomat noch unter Wasser sind